Im Zuge eines geltenden Waffenruhe-Abkommens hat die islamistische Hamas dem Roten Kreuz vier Leichen übergeben. Israelische Regierungsbeamte bestätigten heimischen Medien am späten Abend die Übergabe sterblicher Überreste. Die Toten sollten nach einer ersten Begutachtung am Grenzübergang Kerem Schalom noch im Institut für Forensische Medizin in Tel Aviv zweifelsfrei identifiziert und die Angehörigen informiert werden, hieß es.
Das Forum der Geiseln, das Familien von Verschleppten vertritt, erklärte am Donnerstagmorgen, dass die Leichen von Ohad Jahalomi, Itzik Elgarat und Schlomo Mansur identifiziert seien. Später teilte die Familie von Tsachi Idan mit, auch hier sei die Identität bestätigt.
Die vier israelischen Männer waren zwischen 50 und 86 Jahre alt. Elgarat und Jahalomi waren aus dem Kibbuz Nir Oz entführt worden, Mansur aus dem Kibbuz Kissufim. Idan wurde aus dem Kibbuz Nahal Os verschleppt. Seine älteste Tochter Maajan wurde getötet, als Extremisten durch die Tür des Schutzraums schossen. Hamas-Kämpfer zeigten auf Facebook, wie sie die Familie in ihrem Haus als Geiseln hielten, während zwei jüngere Kinder sie anflehten, sie freizulassen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron schrieb zum Tod von Jahalomi, der auch die französische Staatsbürgerschaft besaß: „Ich teile den unermesslichen Schmerz seiner Familie und seiner Angehörigen.“ Und er ergänzte: „Die Barbarei der Hamas muss ein Ende haben.“
Der bewaffnete Arm der Hamas hatte angekündigt, die Leichen der vier Geiseln bis Mittwoch um Mitternacht zu übergeben. Zuvor hatte das israelische Ministerpräsidentenamt mitgeteilt, dass eine Einigung über die Art und Weise der Übergabe erzielt wurde. Insbesondere gab dieses Mal es keine Zeremonie mit bewaffneten Kämpfern und lauter Musik bei der Aushändigung der Särge an das Rote Kreuz im Gazastreifen. Darauf hatte Israel im Vorfeld bestanden.
Im Gegenzug sollen nach Angaben eines Hamas-Vertreters mehr als 600 inhaftierte Palästinenser aus israelischer Haft freigelassen werden.
Menge skandiert „Allahu Akbar“
Ein Bus mit mehreren freigelassenen palästinensischen Häftlingen verließ in der Nacht zu Donnerstag das israelische Gefängnis Ofer, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah. Anschließend traf der Bus in Ramallah an, wo die freigelassenen Palästinenser von einer jubelnden Menschenmenge begrüßt wurden.
Die Menschen skandierten Parolen wie „Allahu Akbar“ und „Das Volk will die Essedine Al-Kassam-Brigaden“ – mit Bezug zum bewaffneten Arm der Hamas. Mehrere der freigelassenen Gefangenen wurden in die Luft gehoben, einige von ihnen gaben Interviews auf den Schultern von Freunden oder Verwandten.
Am Samstag hatte die Hamas sechs Geiseln freigelassen. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu setzte die anschließend geplante Freilassung von mehr als 600 palästinensischen Gefangenen jedoch aus und begründete dies mit der „demütigenden“ Behandlung israelischer Geiseln durch die Hamas bei deren Übergabe. Die Hamas warnte daraufhin, Israel gefährde das gesamte Waffenruhe-Abkommen.
Besonderes Entsetzen hatte vergangene Woche die Übergabe der Leichen der jüngsten Hamas-Geiseln Ariel und Kfir Bibas ausgelöst. Die Hamas inszenierte die Übergabe der getöteten Kleinkinder sowie zwei weiterer Leichen in Chan Junis im Süden des Gazastreifens martialisch. Zudem enthielt der vierte Sarg nicht wie angekündigt den Leichnam ihrer Mutter Schiri Bibas. Die richtige Leiche wurde erst später übergeben. Die drei in Hamas-Geiselhaft getöteten Mitglieder der Familie Bibas wurden israelischen Medien zufolge am Mittwoch auf einem Friedhof in der Nähe ihres Heimatortes Nir Oz beigesetzt.
Im Rahmen einer ersten Phase des mehrstufigen Abkommens zwischen Israel und der Hamas sollten 33 Geiseln, darunter acht Tote freikommen. Dies wurde nun vollständig umgesetzt. Im Gegenzug dazu sollten 1904 palästinensische Häftlinge freikommen. Die erste Phase soll offiziell am Wochenende enden.
Insgesamt werden jetzt noch 59 Geiseln im Gazastreifen festgehalten, von denen jedoch nur noch 27 am Leben sein sollen.
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